Mrz 1, 2021

Ich tanze auch – Uli

Tanzen und tanzen lassen.

Angefangen hat das „Tanzen“ für mich noch langhaarig zu alten Hyde Park Zeiten. Jeden Donnerstag bis Samstag war ich da, allein oder mit Freunden. Immer auf der Hut für die besten Songabfolgen, die für ekstatische 20 Minuten sorgen sollten. Ich hatte verschiedene Vorlieben, stilübergreifend, von hüpfend bis headbangend machte ich mit, auf der Jagd nach dem Moment, indem der Funke vollends überspringt. Vortanzend oder mitmischend, das war mir mit der Zeit ganz egal. Hauptsache schwitzen und loslassen. Auch wenn ich bis heute alle Prodigy und Fat Boy Slim Hits aus dieser Zeit in und auswendig kenne, waren es diese Abfolgen in denen die Musik kurz endlos zu Rollen begann. Ich schloss die Augen, spürte meinen Körper und bewegte mich gierig zu jedem Beat, bis schließlich durch Melissa Etherich die Tänzer auseinander getrieben wurden.

Später dann versuchte ich mich selber darin, durch die Anordnung von Musik die Atmosphäre zum Schwingen und Tanzen zu bringen. Schließlich verfiel ich durch neue Plattenspieler der Musikliebhaberei und Vinylsucht. Zuerst einige Jahre allein zu Hause, dann mit Freunden in der WG. Letztlich nach und nach draußen in der Nacht. Meist auf den Tanzflächen von Osnabrück.

Die Abende, wartete ich bis spät auf den Einsatz, bis es endlich soweit war. Die Szenerie und Sinne durch Alkohol in ausgedehnten Räumen zunehmend entrückt, war es vorbestimmt, welche Energie ich durch meist elektronische Musik zu bedienen hatte. Der Hunger auf beiden Seiten grenzenlos. Dance!!!

Nun, die Nächte forderten ihren Tribut. Augen träge, Müdigkeit bis Mittwoch, und im besten oder ungünstigsten Fall folgte die Vorbereitung auf das nächste Wochenende … Ich sehnte mich nach neuen Herausforderungen, aufzulegen, ohne Kompromisse. Dabei sollten lebensnähere Kollisionen der Verfassungszustände im Alltag vermieden werden. Wie sollte das gehen und wer tanzt dazu?

So kam es, dass ich von Jana für ein DJ Set zum Ecstatic Dance eingeladen wurde.

Die Bedingungen dafür schienen perfekt und versprachen einen bewussten Gegenentwurf zu den Risiken und Nebenwirkungen der Nacht. Eine neue Herausforderung war geboren als DJ in einem neuen Setting zu spielen.

Mit etwas Mut und kuratischem Feingefühl, ähnlich wie für Radiobeiträge, entwickelten sich für mich freiere Spielmöglichkeiten in der Ecstatic Dance Blase als im Club.

Es ist als Dj eine Steilvorlage, denn es gibt kein langsames Eingetanze, keinen der erst den ersten Schritt wagen muss, damit sich langsam etwas entwickelt. Die Gruppe ist immer sofort in Bewegung und stets offen für verschiedenste Musikstile. Die Idee eines aufwendig zusammengestellten DJ Sets wird offenherzig gewürdigt und vor allem nüchtern wahrgenommen.

Ich liebe die Stimmung schon beim Einlass, wenn manche etwas schüchtern den Raum betreten, die Art und Weise wie jeder begrüsst und gesehen wird und schließlich fast jeder den Mut aufbringt, vielleicht etwas über seine Grenzen hinauszutanzen, als ich es durchschnittlich im Club erlebe. Die Aufmerksamkeit und Achtsamkeit für sich selbst und sein Gegenüber, der sichere Raum und Rahmen, mag für manche etwas zu eso oder übertrieben bewusst anmuten, aber viele die es gewagt haben, sich darauf einzulassen, kommen wieder und lieben diesen intensiven Austausch aus Musik, äußerer und innerer Bewegung. Am Ende ist es sogar herrlich die Tänzer zur Ruhe zu spielen und etwas liegenzulassen, bis zum Stichwort, welches alle wieder zurück in den Raum kehren lässt.

Ich selbst muss zugeben, dass ich trotz der Liebe zur Tanzbewegung erst für ein einziges Ecstatic Dance die Seiten gewechselt und mitgedanced habe.

Irgendwie bewege ich mich selbst doch lieber etwas anonymer in dunkleren Räumen 😉